Traumafolgen und Beziehungsmuster

Belastende Erfahrungen können Spuren hinterlassen – in unserem emotionalen Erleben, unserem Selbstbild und in der Art, wie wir Beziehungen gestalten. Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Nicht jede belastende Erfahrung ist traumatisch und nicht jedes wiederkehrende Beziehungsmuster ist Ausdruck einer Traumatisierung oder Traumafolgestörung.


Traumafolgen

Nach traumatischen Erfahrungen können Beschwerden auch lange nach dem eigentlichen Geschehen bestehen bleiben und das heutige Erleben erheblich beeinflussen.


Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann sich darin zeigen, dass das Erlebte in Form von Erinnerungen, Bildern oder Albträumen wieder sehr gegenwärtig wird. Betroffene vermeiden möglicherweise Gedanken, Gefühle oder Situationen, die an das Geschehen erinnern, und erleben ein anhaltendes Gefühl gegenwärtiger Bedrohung, etwa in Form erhöhter Wachsamkeit oder Schreckhaftigkeit.

Bei einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) kommen anhaltende Schwierigkeiten in der Regulation von Emotionen, ein negatives Selbstbild – häufig verbunden mit Scham, Schuld oder Gefühlen von Wertlosigkeit – sowie anhaltende Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich anderen emotional nahe zu fühlen, hinzu.

Nicht jeder Mensch entwickelt nach traumatischen Erfahrungen eine Traumafolgestörung. Auch können ähnliche Beschwerden unterschiedliche Ursachen haben. Eine sorgfältige Betrachtung der individuellen Erfahrungen und der heutigen Symptomatik ist deshalb wesentlich.

Schutz- und Beziehungsmuster

Neben klaren Traumafolgesymptomen können Menschen unter wiederkehrenden Mustern leiden, die ihr Selbstbild und ihre Beziehungen beeinflussen. Solche Muster können sich bereits früh in der Entwicklung herausbilden. Kinder passen sich an ihre Umwelt und die Möglichkeiten ihrer Bezugspersonen an. Was damals hilfreich oder notwendig war, um Sicherheit, Verbindung oder Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten, kann im späteren Leben weiterwirken – ohne dass deshalb zwangsläufig eine Traumatisierung vorliegen muss.

Im Erwachsenenleben kann sich dies beispielsweise in vertrauten inneren Überzeugungen zeigen:
  • „Ich kann entweder so sein, wie ich wirklich bin, oder ich kann in Beziehung sein – beides scheint nicht möglich.“
  • „Wenn ich meine Bedürfnisse zeige, bin ich zu viel.“
  • „Ich wünsche mir Nähe – und gleichzeitig wird sie mir schnell zu viel.“

Genau hier setzt NARM® an. Das Modell beschreibt fünf zentrale Entwicklungsbedürfnisse und die damit verbundenen Kernfähigkeiten. Sie betreffen die Art, wie wir mit uns selbst in Kontakt sind, unsere Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen und Beziehungen zu anderen gestalten.

Zentrale Entwicklungsbereiche
  • Kontakt – mit sich selbst, dem eigenen Körper und anderen in Verbindung sein und Sicherheit und Zugehörigkeit erleben können.
  • Einstimmung – eigene körperliche und emotionale Bedürfnisse wahrnehmen, verstehen und ausdrücken können.
  • Vertrauen – sich auf andere einlassen und Unterstützung annehmen können, ohne die eigene Selbstbestimmung aufzugeben.
  • Autonomie – eigene Wünsche und Grenzen wahrnehmen, Nein sagen und gleichzeitig in Beziehung bleiben können.
  • Liebe & Sexualität – emotionale Nähe, Intimität und Sexualität in Verbindung mit den eigenen Bedürfnissen und Grenzen erleben können.

Therapeutische Arbeit

In der therapeutischen Arbeit richtet sich der Blick nicht nur auf die Frage: „Was ist damals passiert?“, sondern auch darauf: „Wie musste ich mich in Beziehung organisieren – und wie wirkt das heute in meinem Leben weiter?“

Dabei geht es nicht darum, jede heutige Schwierigkeit aus der Vergangenheit zu erklären oder die Vergangenheit immer wieder zu durchleben. Vielmehr schauen wir gemeinsam darauf, was heute wirksam ist, welche Funktion vertraute Schutz- und Beziehungsmuster haben und welche neuen Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen entstehen können.